Schikaneder & die JVP – Was ist das für ein Dialog?

Ein Kommentar zur Veranstaltung der Jungen Volkspartei im Kino-Beisl Schikaneder und dem verhinderten Protest dagegen. Vom Elend des „Dialogs“.
– von Neon-Citran

Am Dienstag den 09. Jänner empfing die Junge Volkspartei ihre neuen Mitglieder und Interessierteim hippen Szenelokal Schikaneder. Nachdem die Location für das Event der Jugendorganisation der ÖVP letzte Woche bekannt wurde, gab es ein Aufbegehren verschiedener linker Gruppen, Einzelpersonen und Künstler_innen vor allem auf Facebook. Ein Kino-Beisl, das seit jeher Ort alternativer (Sub-)Kultur in Wien war, sollte nun die rechtskonservative Regierungspartei zu sich einladen? Wo die ÖVP gerade mit der sehr weit rechts stehenden FPÖ koaliert?! Besonders absurd: An der Decke des Lokals steht geschrieben:

„MIT UNS IST KEIN (NATIONAL)STAAT ZU MACHEN.“

Nachdem das negative Feedback vom Schikaneder als Shitstorm wahrgenommen wurde, gab es ein erstes Statement. Das ganze sei eher ein Versehen, aber schließlich sei man ein Ort des Dialogs und des Respekts und daran würde auch diese eine Veranstaltung nichts ändern. Daran angeschlossen: Das Schikaneder „wird sich von seinem Weg, den es seit über zwei Jahrzehnten geht, weder von links noch von rechts und weder von oben noch von unten abbringen lassen!“ In einem zweiten Statement am Montag, nachdem sich bereits ein „Friedenskonzert“ des spontan gegründeten Bündnisses „Freiraum zurück!“ mit bis zu erwarteten 250 Demonstrant_innen als Gegenprotest ankündigte, fiel dieser Satz: „Das Schikaneder ist ein Freiraum für Offenheit und Toleranz und ist seit Jahren ein Ort des Dialogs.“ Deshalb sei weder das ÖVP-Event, noch die linke Gegenveranstaltung ein Problem.

Ist das wirklich so problemlos? Hinter dem Gerede von Dialog und Respekt steht doch eine politische Position, die wir stark kritisieren wollen. „Freiraum zurück!“, so lautete die Forderung der linken Gegendemonstration. Aber was ist das Schikaneder bitte für ein mieser Freiraum und hat er uns je „gehört“, sodass wir ihn jetzt zurückfordern wollen und können?

Das Lokal an der Margaretenstraße inszeniert sich selbst als Ort alternativer Subkulturen und meint damit nicht Nazi-Hools, sondern z.B. queere und migrantische Kultur. An der Decke prangert ein eindeutiger antinationaler Slogan. Und deshalb dachten wir Linke, dass das Schikaneder nicht einfach nur irgendein Eventraum ist, in dem noch die schlimmsten Veranstaltungen stattfinden, solange das Geld gezahlt wird. Wenn das Schikaneder von Dialog redete, so dachten wir, dass es es ein kritisches Sprechen der Minderheiten mit der Mehrheitsgesellschaft und der Macht ist. Ein Dialog, der Grenzen kennt und ein Ziel hat: das Mehren von Freiheit.

Nun, es stellt sich heraus: Es ist der Dialog eines Raumes, der sich gemütlich in eine ausgedachte Mitte hockt und die Linken und Rechten mal munter reden und veranstalten lässt. Bei dieser Selbstinszenierung darf nicht fehlen, dass sich das Schikaneder als unbeteiligt und unschuldig-erhaben präsentiert. Weder Links noch Rechts wird man hier weichen! So sollten am Tag des Neujahrempfangs der JVP einfach alle zum Schikaneder kommen, Linke und Rechte. Sollen sie es doch unter sich ausmachen!

Diese Neutralität funktioniert aber nicht. Der scheinbar gleichberechtigte Dialog ebenfalls nicht. Drinnen im Lokal saß nämlich die Organisation, die die Regierungsgewalt zusammen mit der FPÖ hat und schwache Teile der Gesellschaft unterdrückt. Allein in den letzten Tagen meinte beispielsweise FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, man solle Flüchtlinge „konzentrieren“. Draußen standen ein paar mittellose Privatpersonen – und die Künstler_innen, die den Slogan an die Decke gepinselt haben. Oder hätten stehen sollen: Denn das Konzert fand nie statt, angeblich wegen eines Formfehlers bei der Anmeldung. Die Verantstalter_innen hingegen schätzten die potentielle Repression für Privatpersonen angeblich als zu hoch ein. Da sich das Bündnis auf Facebook komplett gelöscht hat, fällt es schwer, die Sache genau nachzuvollziehen.

Was dabei herausgekommen ist: Drinnen hatte der Schikaneder am Dienstag Rechtskonservative und draußen viele Polizeiwägen. Es muss dieser Dialog sein …

Quellen:
Niemand kam zur Anti-JVP-Demo vor dem Schikaneder (kurier.at)
Im Schikaneder ist kein (National)Staat zu machen (meinbezirk.at)

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