Wolfsgruß & „Graue Wölfe“ – not just another tag on the wall – Teil 2

Auch faschistische Gruppen mit Türkei-Bezug sind in Wien aktiv. Immer wieder sind sie für gewalttätige Angriffe, meist auf türkische und kurdische Linke, verantwortlich.Das Handzeichen soll einen Wolfskopf symbolisieren und dient als Erkennungsmerkmal für Menschen, die den faschistischen sogenannten „Grauen Wölfen“ nahestehen. Es ist auch in Wien immer wieder zu sehen.

Die drei weißen Halbmonde auf rotem Hintergrund sind das Zeichen der rechtsextremen türkischen „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP – Milliyetçi Hareket Partisi), die mit den Grauen Wölfen in Verbindung stehen.
Im folgenden Text erfährst du etwas mehr über die Hintergründe des türkischen Rechtsextremismus. Noch mehr dazu und zu anderen faschistischen bzw. rechtsextremen Gruppen und Symbolen findest du in der Broschüre „Just another tag on the wall? – Rechte Symbole auf Wiens Straßen“ der Antifa15.
Die gibt es online, oder du holst dir einfach eine kostenlos an einem dieser ORTE.
Graue Wölfe
Der Begriff „Grauer Wolf“ (Bozkurtlar) wird in der Alltagssprache (nicht immer ganz trennscharf) als Sammelbezeichnung verwendet für Rechtsextreme und Faschist_innen, die sich auf einen türkischen Nationalismus berufen. Meist sind Gruppen gemeint, die mit der rechtsextremen türkischen „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP – Milliyetçi Hareket Partisi) oder diversen Abspaltungen verbunden sind.
Diese Variante des türkischen Nationalismus heißt „Turanismus“ oder „Pantürkismus“. Die Ideologie beruht auf der völkischen Vorstellung einer Überlegenheit der sogenannten „Turkvölker“ gegenüber anderen und beinhaltet eine Abwertung und im schlimmsten Fall Verfolgung von Personen, die nicht als „türkisch“ wahrgenommen werden oder sich selbst nicht so sehen wollen (v.a. Kurd_innen, Alevit_innen, Armenier_innen).
Der Bezug auf die Religion des Islam ist in den verschiedenen Gruppen unterschiedlich stark ausgeprägt und hat sich historisch immer wieder verändert. Es gibt auch klar säkulare Gruppen, aber viele rechtsextreme, türkisch-nationalistische Bewegungen gehen davon aus, dass das „türkische Volk“ und der Islam in einer „türkisch-islamischen Synthese“ untrennbar zusammengehören.
Historisches
In der Region des damaligen Osmanischen Reiches kam es im Laufe des 19. Jahrhunderts zu verschiedenen Umbruchsituationen, Krisenerscheinungen, Unsicherheiten und später auch dem Zerfall des Reiches. Im Zuge dessen wurden unterschiedliche nationalistische und rassistische Ideologien sowie Ideen von einem „Großtürkischen Reich“ immer stärker. Die Vorstellung einer völkischen Zugehörigkeit wurde immer wichtiger. Alle sollten sich zum nationalen „Türkentum“ bekennen – oder wurden verfolgt. Die völkisch-nationalistische Dynamik führte schließlich sogar zum antiarmenischen-Genozid 1915/1916.
In der 1923 gegründeten Republik Türkei formierte sich auch eine klar faschistische Strömung des türkischen Nationalismus – teilweise mit Kontakt zu den deutschen Nazis.
Die MHP und die Grauen Wölfe
Aus dem Umfeld der faschistischen Bewegungen entstanden Anfang der 1960er in der Türkei die „Partei der nationalistischen Bewegung“ und die „Grauen Wölfe“, die noch heute existieren.
Ihre politische Ideologie bezeichnen sie selbst als „idealistischen Nationalismus“ (Ülkücülük).
Im engeren Sinn meint der Begriff ‚Graue Wölfe‘ die Mitglieder paramilitärischer Kommandos, die seit den späten 1960er Jahren in der Türkei die gewalttätige Stimmung aufheizten und für zahlreiche Pogrome gegen Minderheiten und (politische) Morde (mit)verantwortlich sind. Die organisatorische Grundlage bei der Entstehung der paramilitärischen Grauen Wölfe bildete dabei die Jugendorganisation der MHP. Die Mitglieder mussten sich die faschistische Ideologie der Partei einprägen.
In Wien

Auch in Österreich gibt es verschiedene Gruppierungen aus dem Umfeld der Grauen Wölfe. Sichtbar werden sie meist durch nationalistische Hetze (meist gegen Angehörige von Minderheiten in Türkei) und offenem Antisemitismus. Der österreichische Ableger der MHP ist z.B. der Dachverband der „Österreichischen Türkischen Föderation“ (ATF – Avusturya Türk Federasyon), der verschiedene Lokale und Veranstaltungen bespielt. Auch die gewalttätige Rockergruppe „Osmanen Germania“, die sowohl Verbindungen mit den Grauen Wölfen als auch mit der autoritären Regierung in der Türkei pflegen, haben mittlerweile einen Ableger in Wien. Immer wieder und insbesondere seit den immer stärker werdenden autoritären Entwicklungen und dem Krieg in der Türkei, gibt es auch in Wien vermehrt faschistische Angriffe – meist auf türkische und kurdische Linke.
Mehr dazu und zu weiteren Themen findest du in unserer Broschüre.
– yours Antifa15