Das Serbische Kreuz – not just another tag on the wall – Teil 4
Das „Serbische Kreuz“ ist eines der häufigsten gesprayten politischen Symbole an den Wiener Hauswänden. Im folgenden Text erfährst du etwas mehr über die Hintergründe.
Noch mehr dazu und zu anderen faschistischen bzw. rechtsextremen Gruppen und Symbolen findest du in der Broschüre „Just another tag on the wall? – Rechte Symbole auf Wiens Straßen“ der Antifa15.
Die gibt es online, oder du holst dir einfach eine kostenlos an einem dieser ORTE.

In manchen Straßen ziert es jede dritte Hauswand: Ein Kreuz mit vier nach außen gerichteten C-Symbolen: Das „Serbische Kreuz“.
Es gibt unterschiedliche Interpretationen des Symbols: Verbreitet ist die Deutung der Cs, die im kyrillischen Alphabet dem Buchstaben S entsprechen, als Abkürzung für den Slogan „Samo sloga Srbina spasava“ (Deutsch: „Nur Eintracht rettet den Serben“). In manchen Beschreibungen gelten die Cs als „Feuerstähle“, ein in vielen mittelalterlichen Wappen verbreitetes Symbol ohne eindeutige Bedeutung.
Wie auch immer: Das „Serbische Kreuz“ steht für serbischen Nationalismus und ist auch Teil der Serbischen Nationalfahne. Als Nationalismus (oft auch: Patriotismus) verstehen wir jeden positiven Bezug auf einen Nationalstaat (egal ob schon existierend oder für die Zukunft angestrebt). Der Ausschluss von Menschen, der durch die Aufteilung der Welt in verschiedene Staaten und die Aufteilung der Menschen in Staatsbürger_innen unterschiedlicher Nationen geschaffen ist, wird darin als sinnvoll gerechtfertigt.
Nationalismus ist, nicht nur zwischen Österreich und Serbien, derzeit leider ungefähr so normal wie Zähneputzen: Vom Mitfiebern mit den österreichischen Skifahrer_innen in Peyonchang (Was genau haben die mit mir zu tun?) bis zu „Dieser Song ist für die echten, die richtigen Serben in Wien“ (Svaba Ortak, Rapper aus Wien).
Rechtsextreme treiben die Idee des Nationalismus auf die Spitze, indem sie für jedes Problem, dass sie sehen, eine nationalistische Deutung parat haben: Wenn Rechtsextreme Arbeitslosigkeit, Armut und Wohnungsnot feststellen, kommen sie garantiert nie auf die Idee, dass es in dieser Wirtschaftsweise gar nicht um eine sinnvolle Aufteilung der notwendigen Arbeit geht. Auch die Deckung des Bedarfs an Gebrauchsgütern und Wohnungen ist nicht das Ziel. Im Gegenteil: Rechtsextreme wissen sofort von Ausländer_innen, die ihnen was wegnehmen.
Diese Übergänge vom „normalen“ zum „extremen“ Nationalismus lassen sich auch bei der Verwendung des Serbischen Kreuz‘ gut beobachten: In Wien wurde das Serbische Kreuz beispielsweise 2014 gemeinsam mit einem Fadenkreuz und der Parole „Ubij Pedera!“ (Deutsch: „Tötet Schwule!“) auf die Türkis-Rosa-Lila-Villa, ein linkes Lesben-, Schwulen- und
Transgenderzentrum, gesprüht.
Für uns gilt also im Sinne einer alten Parole auf linken Demos: „Nationalismus raus aus den Köpfen!“ Und nebenbei auch: „Runter von den Hauswänden!“
(Mehr zum „Serbischen Kreuz“, unserer Kritik an Nationalismus und anderen rechten Ideologien erfährst du in unserer Broschüre).
– yours Antifa15