Ich liebe es, wenn du neben mir deinen Döner isst.

Das Zusammenleben in der U-Bahn ist sicher nicht immer leicht, aber mit bewaffnetem Sicherheitspersonal nachzuhelfen, ist mal wirklich daneben. Ein Text zu den neuen Security-Einheiten der Wiener Linien.

– by Flauschibärli / Illustration by Felix Schuster

Es ist eine kalte Nacht in Wien und in der U1 hat sich die typische Gesellschaft dieser Stunde eingefunden: Ein paar essen gemütlich Falafel oder Käsekrainer, ein anderer telefoniert aufgelöst mit seiner Mutter, daneben scherzen Freund_innen auf dem 4er-Platz und weiter hinten spielen einzelne Schlafwandler_innen Candy Crush. Doch damit werden die Hausregeln der Wiener Linien bereits weitreichend verletzt: Du sollst keinen Döner essen, du sollst nicht laut telefoniere, du sollst nicht ohne Ticket fahren, du sollst kein Bier trinken usw. Und natürlich freut es viele Menschen nicht, wenn die U1 nach Kebap riecht oder du deiner Mum lauthals erklärst, dass deine Mitbewohner_innen scheiße sind. Aber ein Drama wird von den Beteiligten deswegen auch nicht veranstaltet.

Doch neuerdings brennen die Wiener Linien darauf, ihre Kund_innen zu belehren und einzuschüchtern. „Es kotzt sie an, wenn du neben ihr Döner isst“ oder aktuell „Für alles offen. Nur nicht für lautes telefonieren.“ Zu sehen ist ein Mann, der mit seinem Gesicht an der Scheibe der verschlossenen U-Bahn Tür klebt. Dieses Plakat ist doppelt ekelhaft: Offen sind die Wiener Öffis erstmal nur für Leute mit Ticket. Weißt eh, das Konzert ist kostenlos, wenn du nur ein Ticket hast! Aber selbst wenn du 2,10€ für eine einzige Fahrt zahlst, kannst du dich nicht vor Bestrafung schützen. Denn wenn du noch dringend telefonieren musst oder einfach eine geliebte Person sprechen willst, dann klebt dein schmerzverzerrtes Gesicht bald an der für dich verschlossenen Tür. Haha, so lustig diese Werbung. Als ob wir nicht täglich Bilder von geschlossenen Grenzen und den schrecklichen Folgen für die Menschen sehen. Grenzen, die wir zu öffnen nur vielleicht bereit sind, wenn auch wirklich alle Kriterien erfüllt werden. Hast eh keine Familie oder Freund_innen, die nachkommen, gell?

Das ist jetzt vielleicht eine krasse Anspielung. Aber die Tragödie spielt sich immer auch im kleinen ab. Wer steht bei den Wiener Linien an den Toren und setzt die Gewalt durch? Neuerdings Security-Personal in knallroten Westen. Nicht unbegründet sehen diese 2-4er Grüppchen aus wie die lokale Miliz: Sie haben Pfefferspray in Griffreichweite und ein Kostüm wie die Einsatzpolizei. Aber hey: Endlich gibt es jemanden, der dich mit deinem Kebap der Metro verweist oder dich als obdachlose Person zusätzlich schikaniert, wenn du auch Öffis fahren willst. Ein Blick in die U1 diesen Sonntag zeigt, dass meistens 3-4 Plätze um die Westenträger_innen frei sind. Sie umgibt bereits dieselbe bedrohliche Aura, die Polizist_innen in der Altstadt haben. Denn du weist nie, ob du vielleicht gerade nicht doch ein Gesetz brichst. Vielleicht wendet sich die Sicherheit und die Securities als nächstes gegen dich.

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