PROSA will viel mehr, nämlich Schule für Alle!

Unsere Redakteur_innen Eklatante und Flauschibärli haben mit Lisa von PROSA (Projekt Schule für Alle) darüber gesprochen, wie Geflüchtete ohne rechtlichen Anspruch trotzdem in die Schule gehen können. Und es stellt sich heraus: So ist Unterricht gar nicht mal schlecht.

Lisa, was ist PROSA eigentlich und was machst du?

Geben tut‘s uns seit 5 Jahren und das Projekt richtet sich an Menschen mit Fluchterfahrungen, denen ein Pflichtschulabschluss ermöglicht werden soll. Denn unsere Schüler_innen sind über 15 und haben deshalb kein Recht mehr auf einen regulären Schulplatz. PROSA arbeitet mit einer Mittelschule zusammen, wo die Leute am Ende ihre Abschlussprüfung machen können. Ich selbst bin Deutsch-Trainerin und für die Organisation im Bereich Pädagogik zuständig. Die Schüler_innen hören von unserem Projekt vor allem durch persönliche Empfehlungen. Aber wir suchen auch nach Leuten, die uns noch nicht kennen und die Gruppen vielfältiger machen.

Und beschränkt sich PROSA auf dieses Schulprojekt?

PROSA ist nur ein Projekt vom Verein VIELMEHR. Die Idee des Vereins ist, dass es zum Ankommen mehr braucht als nur einen Pflichtschulabschluss und Grammatik. Nämlich auch eigenen Wohnraum, Vertrauenspersonen, Wohlfühlorte und Begleitung nach der Schule. Innerhalb von PROSA haben wir den Schulbetrieb, aber auch durchgängig Sozialarbeit für die Schüler_innen vor Ort. Zudem haben wir alle zwei Wochen Frauen*- und Männer*räume, wo über Sexualität und Geschlechterrollen geredet wird. Was noch im Verein passiert ist FLÜCHTLINGE WILLKOMMEN, wo es um die Unterstützung bei der Wohnraumsuche geht und WORK:IN, wo wir mit Schüler_innen nach Lehr- und Arbeitsstellen suchen. Oder eben HOME, die haben ein Buddy-Projekt am Laufen. Da geht es um Unterstützung beim Lernen, aber auch darum, dass die Schüler_innen Vertrauenspersonen und Freund_innen finden.

Wie sieht der Unterricht überhaupt aus? Und inwiefern spielt der leidige Ruf nach Integration dabei eine Rolle?

Das ist eine gute Frage! Der größte Unterschied ist, dass es bei uns keine Noten gibt. Für den Abschluss gibt es zwar fixe Kriterien, aber grundsätzlich schreiben die Schüler_innen Portfolios zu selbst gewählten Themen. Unser Bildungsansatz konzentriert sich auf die Lernenden – was möchtest du lernen, wo kannst du Deutsch brauchen? Bei uns sind gesellschaftliche Strukturen ein wichtiges Thema, insbesondere die benachteiligte Rolle von Geflüchteten sowie Rassismus und Sexismus. Wir wollen diese Unterdrückung hinterfragen. Auch haben bei uns nicht nur die Trainer_innen das Sagen, sondern die Schüler_innen lernen viel untereinander und unterstützen sich gegenseitig beispielsweise mit Übersetzungen.

PROSA steht der Forderung nach Integration seitens der Regierung kritisch gegenüber, weil es ein falscher Integrationsbegriff ist, der auf bedingungsloser Anpassung beruht. Bei uns geht es vielmehr um Teilhabe, also darum Gesellschaft mitzugestalten. Das gilt insbesondere auch für PROSA selbst, alle können hier mitreden.

Was sind die größten Probleme, mit denen ihr zu kämpfen habt?

Geld. Wir bekommen keine staatliche Unterstützung und müssen deshalb konstant neue Geldmittel aufstellen. Wie viele andere Vereine hängen wir zudem stark von ehrenamtlicher Tätigkeit ab. Dadurch liegt sehr sehr viel Arbeit bei wenigen Personen. Es bräuchte viel mehr Leute, die an den Verein gebunden sind, aber natürlich sind die meisten bereits durch ihren Job voll ausgelastet. Das ist so die größte Herausforderung. Und eh, wenn die politische Situation und die Lage unserer Schüler_innen anders wären, ginge es auch sehr viel leichter.

Wir suchen deshalb immer nach neuen Leuten, die mitmachen wollen. Es gibt viele unterschiedliche Bereiche, in denen sich Interessierte einbringen können. So suchen wir aktuell Freiwillige für unsere Super-Samstage, wo wir mit den Schüler_innen gemeinsam Portfolios für ihren Abschluss erarbeiten. Der nächste Termin findet schon Samstag den 07.04. statt. Alle Infos hierzu gibt’s als PDF. Zudem veranstalten wir regelmäßig Infoabende für alle Interessierten, die sich beteiligen wollen.

Was aktuell los ist, steht immer auf Facebook.

Danke dir, Lisa, für das nette Interview!

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