Leben für den Lebenslauf

– by opak

„Das kannst du später mal in deinen Lebenslauf schreiben!“ – Wer kennt diesen Satz von Eltern und Bekannten nicht? Unser Leben ist darauf ausgerichtet, ein Stück Papier mit Qualifikationen zu füllen. Aber ist der Lebenslauf wirklich nur ein Stück Papier und was hat das alles mit der Einrichtung unserer Gesellschaft zu tun?

Ferialjob im Sommer, nach der Matura auf eigene Kosten Freiwilligenarbeit leisten und während dem Studium unbezahlte Praktika machen. So oder so ähnlich sieht der Plan für die Zukunft und das Leben in der Gegenwart für viele junge Menschen aus.

„Das macht sich gut in deinem Lebenslauf!“ Egal, ob Sprachkurs oder Erasmussemester, dieser Satz begleitet wohl die meisten Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen. Die Angst, Zeit zu verschwenden oder Lücken durch psychische oder körperliche Erkrankungen zu hinterlassen, ist allgegenwärtig. Die dauernde Suche nach Karrieremöglichkeiten und Kontakten, prägt unser soziales Leben. Ziel ist ein möglichst guter und einzigartiger Lebenslauf. Aber warum eigentlich?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Großteil der Menschen dazu gezwungen ist, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen, um dadurch das eigene (Über-)Leben und die damit zusammenhängenden Bedürfnisse finanzieren zu können. Der einzelne Mensch steht dabei am Arbeitsmarkt im Wettbewerb zu allen anderen, die auch diesem Zwang unterliegen. Dadurch ist die Gesellschaft, in der wir leben, von Konkurrenz geprägt. Es herrscht das Motto „Alle gegen Alle“ vor und die „stärkere“ Person setzt sich durch.

Um auf dem Arbeitsmarkt gegen die anderen bestehen zu können und einen Job zu bekommen, müssen sich die einzelnen Menschen selbst vermarkten und die eigene Arbeitskraft an die Erfordernisse des Marktes anpassen. Der Lebenslauf ist nicht mehr als die schriftliche Version dieser notwendigen Selbstvermarktung. Somit liegt das Problem auch nicht darin, dass Menschen nach Qualifikationen und Erfahrungen suchen, mit denen sie ein Stück Papier füllen können. Sondern darin, dass wir überhaupt dazu gezwungen sind, unsere Arbeitskraft zu verkaufen und gegeneinander, anstatt miteinander zu arbeiten.

Um unser Leben nicht mehr nach unserem Wert am Arbeitsmarkt, sondern nach unseren eigenen Bedürfnissen zu gestalten, müssen wir die bestehende Gesellschaft überwinden. Dazu ist es notwendig, sich zusammenzutun und gemeinsam für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der wir alle ohne Angst (und Lebensläufe) verschieden sein können.

Mehr dazu:

Spät, Patrick (2016): Und, was machst du so? Fröhliche Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch. 3. Auflage. Zürich: Rotpunktverlag.

Heinrich, Michael (2018): Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung in „Das Kapital“ von Karl Marx. 14., durchgesehene Auflage. Stuttgart: Schmetterling Verlag (Reihe Theorie.org).

Gruppe gegen Kapital und Nation: Die Misere hat System: Kapitalismus
https://gegen-kapital-und-nation.org/page/die-misere-hat-system-kapitalismus/

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